Serie im Mitteilungsblatt
In dieser Serie im Mitteilungsblatt sollen Jugendliche und Erwachsene aus dem Verbandsgebiet zu diversen Themen zu Wort kommen. Zur Abrundung sagt Sozialarbeiter Dominik Simon was pädagogisch oder gesetzlich Sache ist.

Thema heute: Freundschaft

Miriam Windt, 13, Schülerin, Tunau
Freundschaft heißt für mich, dass man sich alles sagen kann, über alles reden kann und viel Vertrauen hat. Freundschaften auf Facebook habe ich nicht. Ich bin nicht Mitglied irgendeines sozialen Netzwerks. Deshalb kann nichts sagen zu Facebook. Ich habe zwei richtig gute Freundinnen, mit denen kann ich über alles reden und ich kann auch vertrauliche Dinge loswerden, die ich sonst Keinem sagen würde. Ich habe weitere Freundinnen, denen ich nicht alles sagen würde, denen ich aber auch Vieles anvertrauen kann. „Falsche“ Freunde sind für mich die, die alles für sich ausnutzen und sich dann damit (akustisch leider nicht verstanden).

Klaus Rümmele, Produktionsleiter, Tunau, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Tunau
Freundschaft bedeutet für mich Vertrauen und Akzeptanz. Ein Sprichwort sagt zwar: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Ich finde aber nicht unbedingt, dass das stimmt. Wenn alles auf Gegenseitigkeit beruht, ist auch Geld kein Problem. Weil ich dann weiß, ich gebe was, bekomme es aber ohne Probleme wieder zurück. Ich finde, das ist Freundschaft, wo ich also nicht hinterher fragen oder hinterherlaufen muss. Das finde ich sehr wichtig. Freundschaft hört für mich auf, wenn ich das Gefühl habe, ich werde ausgenutzt. Mit Facebook- oder sonstigen Internet-Freunden kenne ich mich nicht aus. Ich bin nicht bei Facebook und möchte das auch nicht sein, ich finde das nicht so positiv für alle Zwecke. Es werden teilweise alle Belanglosigkeiten mitgeteilt und viele Arbeitgeber können jedes Freizeitverhalten einsehen. Wenn man zwei bis drei gute Freunde hat, ist das ein sehr gutes Gefühl. Freundschaften geben mir innere Ruhe, ich habe einen guten Gesprächspartner, der mich versteht, der mich berät. „Falsche“ Freunde sind die, die auf sich bezogen sind, die für sich die Vorteile ausnutzen wollen.


Dominik Simon, Sozialarbeiter
Freundschaft unter Jugendlichen. Eine Zusammenfassung aus der Shell Jugendstudie 2015 und Erfahrungen aus der alltäglichen Praxis.

Was machen Freundschaften aus?
1. Vertrauen
für einander da sein, Geheimnisse erzählen, Loyalität, Verständnis, viel miteinander machen
2. Gemeinsam Spaß haben
z.B. zocken, chillen, lachen, Mountainbike fahren, Skaten, Musik hören, Videos anschauen
3. Zusammenhalt
nicht Außenseiter sein, gegenseitig ermutigen, bei Problemen helfen, gemeinsame Unternehmungen
4. Inspiration und Spiegel
sich an Freunden orientieren, Spitznamen geben, gleiche Klamotten tragen

Wie viele Freunde haben Jugendliche?
- Viele Jugendliche haben 3 bis 10 gute Freundinnen/Freunde

Was zerstört Freundschaften?
- Machtmissbrauch
„Du bist meine beste Freundin/Freund, wenn du ….. machst.“ (falscher Vertrauensbeweis)
- Erwartungen haben
„Du musst für mich jetzt da sein - Bei dir war ich auch da als es dir schlecht ging.“
- Drogen und Alkoholmissbrauch
Drogen und Alkohol verändern eine Person, jemandem helfen ist unmöglich – wenn der/die Betroffene keine Hilfe will – dies auszuhalten ist schwer, Schlägerei auf einem Fest
- Liebe
Oft ein Tabu – den Exfreund der besten Freundin, gemeinsam für jemanden schwärmen und testen wer höher im Kurs steht
- Der/die Dritte im Bund
Oft gibt es Streit, sobald sich eine dritte Person einmischt, Eifersucht entsteht - Intrigen sind die Folge